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Fraktion im Bundestag
10-Punkte-Sofortprogramm
der LINKEN
DIE LINKE hat in ihrer Fraktionsklausur am 9.
und 10. Oktober 2009 im brandenburgischen Rheinsberg einstimmig
ein Sofortprogramm beschlossen, mit dem die Fraktion in die neue
Legislaturperiode startet.
Deutschland
verweigert den Kriegsdienst
1. Raus aus Afghanistan
DIE LINKE will den sofortigen Abzug der
Bundeswehr aus Afghanistan. Wir werden im Bundestag einen Afghanistan-Friedensvorschlag
vorlegen, der Entsendung weiterer Soldaten widersprechen und den Abzug
der Bundeswehr fordern. Die finanziellen Mittel sollen vom militärischen Einsatz auf zivile
Unterstützung
umgewidmet werden. DIE LINKE wird für Abrüstung initiativ und fordert den Abzug der USAtombomben aus
Deutschland.
Gute
Arbeit
2. Einführung eines flächendeckenden
gesetzlichen Mindestlohnes und Gleichstellung in
Loh n fragen
DIE LINKE setzt die Einführung eines flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohnes
sofort wieder auf die Tagesordnung des Parlaments. Der Mindestlohn
soll in der 17. Legislaturperiode auf zehn Euro erhöht werden
und Jahr für
Jahr zumindest in dem Maße
wachsen, wie die Lebenshaltungskosten steigen. Wir fordern
gleichen Lohn bei gleicher und gleichwertiger Arbeit in gleicher Arbeitszeit für Frauen und Männer, in Ost und West, für Leiharbeiterinnen und
Leiharbeiter und für
Menschen mit und ohne Behinderungen.
3. Stärkung
von Kündigungsschutz
und Mitb e stimmung - 2 Mio. Arbeitsplätze
statt
Massenarbeitslosigkeit
DIE LINKE weist alle Angriffe auf den Kündigungsschutz zurück und wird Initiativen zu
seiner Stärkung
ergreifen. Die Mitbestimmung in den Unternehmen ist zu verteidigen und zu
erweitern. DIE LINKE setzt sich für ein Verbot von Massenentlassungen bei
nichtinsolvenzgefährdeten
Unternehmen und für
die Rücknahme
der Liberalisierung der Leiharbeit, um den Trend zur Verdrängung von regulären Arbeitsplätzen durch Leiharbeit zu stoppen.
DIE LINKE will mit Hilfe eines
Konjunkturprogramms und eines Zukunftsfonds für den industriellen Umbau Arbeitsplätze für die Zukunft sichern und
neue Arbeitsplätze
schaffen. Dafür
müssen
Produktion und Produkte auf moderne, sozial-ökologische Bedürfnisse ausgerichtet
werden, Investitionen in Gesundheit, Bildung, Infrastruktur
ausgeweitet werden und öffentliches
Personal eingestellt werden. Öffentliche
Gelder an die Industrie werden nur als Beteiligungen vergeben,
verbunden mit einer Ausweitung der Mitbestimmungsrechte von Belegschaften,
Gewerkschaften und Verbänden.
Soziale
Sicherheit
4.Kurzarbeitergeld
und Arbeitslosengeld I verlängern
DIE LINKE setzt alles daran, in der Krise das
Kurzarbeitergeld auf 36 Monate zu verlängern und das Arbeitslosengeld I
für
alle Anspruchsberechtigten auf 24 Monate zu erhöhen. Darüber hinaus ist die Dauer
der Zahlung des Arbeitslosengeldes I abhängig von der Dauer der Einzahlung (pro Jahr
Einzahlung einen Monat Arbeitslosengeld beginnend mit dem 3. Jahr).
Dies begrenzt Verunsicherung und soziale Härten und stabilisiert
die Binnennachfrage.
5. Hartz IV
abschaffen – DIE LINKE wird als
erste Schritte im Bundestag fordern:
-Die Freigrenzen beim Schonvermögen im SGB II - zur Alterssicherung und darüber hinaus - werden deutlich erhöht.
-Die Entgelte von Ferienjobs für Kinder von Hartz-IV-Beziehenden werden nicht auf die Höhe der Hartz-IV–Sätze angerechnet.
- Kinderregelsatz an Kindesbedarf anpassen! Entsprechend dem
Urteil des Bundssozialgerichtes soll der
Bedarf für Kinder und Jugendliche in der
Grundsicherung eigenständig ermittelt und
in der Folge deutlich
angehoben werden.
-Ein Sanktionsmoratorium soll die Drangsalierung
von Hartz IV-Beziehenden sofort stoppen. Unabhängig davon fordern wir die Abschaffung des
Sanktionsparagraphen 31 im SGB II.
Abschaffung des
Konstruktes Bedarfsgemeinschaft im SGB XII und II für Erwachsene.
Die gleichen
Forderungen gelten auch für Menschen mit
Behinderungen und andere Bezieherinnen und Bezieher von Leistungen nach dem SGB XII (Sozialhilfe).
Alterssicherung
–
armutsfest und gleich in Ost und West
6. Rente ab 67 zurücknehmen und Rentenwert Ost-West zügig angleichen
DIE LINKE fordert die Abschaffung der Rente erst ab 67.
Schon heute gehen im Osten 70 Prozent und im Westen 40 Prozent aller Neurentnerinnen
und –rentner mit Abschlägen in Rente. Laut Deutscher Rentenversicherung waren im
September 2008 waren nur noch 7,4% aller 63- und 64jährigen in einer sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigung. Die Anhebung des gesetzlichen Rentenalters auf
67 Jahre
ist daher sozialpolitisch unverantwortlich und arbeitsmarktpolitisch
widersinnig. Wir fordern eine armutsfeste
Rente spätestens ab
Vollendung des 65. Lebensjahres.
DIE LINKE kämpft weiter für die zügige Angleichung des
Rentenwertes Ost an West. Die Höherwertung der Verdienste
ostdeutscher Beschäftigter ist so
lange differenziert beizubehalten, bis die Angleichung bei Löhnen und Gehältern erfolgt ist.
Wer
bezahlt die Krise?
7.Kleine und mittlere Einkommen entlasten
–
Kreditklemme bekämpfen
DIE LINKE will, dass Reiche und Vermögende für die Finanzierung
der Krise sowie für gesellschaftliche
Reformen herangezogen werden. Kleine und mittlere Einkommen sollen entlastet
werden. DIE LINKE lehnt eine Erhöhung der
Mehrwertsteuer strikt ab. DIE LINKE wird eine Reform der Einkommensbesteuerung
durch eine Abschaffung des Steuerbauchs einbringen. Der/die
Durchschnittsverdiener/in mit 30.000 Euro Jahreseinkommen soll eine
Steuererleichterung von mehr als 100 Euro im Monat erhalten. Ab einem zu
versteuernden Monatseinkommen von 6000 Euro setzt zunächst eine leicht ansteigende höhere Belastung ein; Einkommensmillionäre sollen rund 100.000 Euro mehr an Steuern im
Jahr zahlen. DIE LINKE wird die Wiedereinführung der Vermögenssteuer als Millionärsteuer fordern,
wobei Privatvermögen von über einer Millionen Euro mit fünf Prozent besteuert werden. Außerdem soll eine Börsenumsatzsteuer eingeführt werden.
DIE LINKE wird sich dafür einsetzen, dass
die drohende weitere Verschärfung der
Kreditklemme abgewendet wird. Bei knapp 40 Prozent der Insolvenzen im ersten Halbjahr
2009 ist die Kreditverweigerung der Banken die „zentrale Ursache“. Die EZB leiht den Banken Rekordsummen für ein
Prozent Zinsen. Aber sie geben diese günstigen Konditionen
nicht weiter, verlangen 10, 11, ja bis zu 18 Prozent Zinsen. DIE LINKE wird von
der Regierung fordern, dass sie endlich auf die Kreditvergabe der Banken Einfluss
nimmt. Dazu gehört, die Banken unter staatliche Kontrolle zu
stellen bis hin zur Vergesellschaftung. DIE LINKE will, dass Überziehungszinsen begrenzt werden.
8. Schutzschirm für die sozialen Sicherungssy s teme
DIE LINKE lehnt es ab, dass die Kosten der Krise über Zusatzbeiträge u.ä. auf die sozial Versicherten abgeladen werden. Deshalb
wollen wir einen Bundestagsbeschluss, dass die Sozialversicherungen für die durch die Krise entstehenden Defizite eine Staatsgarantie
bekommen – finanziert aus den Steuermehreinnahmen.
Nur so kann eine Kürzung der sozialen
Leistungen und die zusätzliche Belastung der Versicherten
ausgeschlossen werden. Aktuell darf bspw. das sich abzeichnende
Milliardendefizit im Gesundheitsfonds (rd. 10 Mrd.) 2010 nicht über Zusatzbeiträge auf die
Schultern der Versicherten abgewälzt werden.
Grundrechte
verteidigen
9. Grundrechte verteidigen
Die LINKE wird eine gesetzliche Regelung für einen wirksamen
Arbeitnehmerdatenschutz einbringen, der solche Schnüffelei wie bei Lidl,
der Bahn oder der Deutschen Bank unterbindet.
Am 31. Dezember endet die bisherige Bleiberechtsregelung für geduldete Ausländerinnen und Ausländer. Die LINKE wird sich für ein eine
dauerhafte Bleiberechtsregelung für die rund 62.000
seit vielen Jahren hier lebenden Flüchtlinge einsetzen.
Langjährig Geduldete und Menschen, die zurzeit nur
befristet bleibeberechtigt sind, müssen ein
gesichertes Aufenthaltsrecht und eine Lebensperspektive erhalten. DIE LINKE wird
einen Antrag zur bundeseinheitlichen und bedarfsgerechten Finanzierung der
Frauenhäuser einbringen, der für alle Frauen einen offenen Zugang zu Frauenhäusern und Schutzeinrichtungen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft oder ihrem
Aufenthaltsstatus garantiert, Kosten für den Aufenthalt
der Kinder einschließt, den
Lebensunterhalt sichert und Unterhaltsansprüche von geflüchteten Frauen gegenüber Partnern auf den Staat überträgt.
Energiewende
durchsetzen
10. Atomausstieg
unumkehrbar machen
Wir werden parlamentarisch und außerparlamentarisch
dafür streiten, dass die in der 17.
Legislaturperiode abzuschaltenden sieben Reaktoren - davon vier noch bis
Jahresende 2009 - wirklich unumkehrbar vom Netz gehen. Zudem werden wir darauf drängen, sofort einen Untersuchungsausschuss atomare
Endlager (Asse II, Gorleben, Morsleben, Schacht Konrad und zum
Endlagersuchverfahren) im Bundestag
einzusetzen.
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