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Werner Schäfer

Der internationale Tag für die Beseitigung der Armut

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat 1992 den 17 Oktober dazu bestimmt. Diese Formulierung ist richtig. Es ging den Initiatoren darum, nicht einfach an die Armut in aller Welt und vor unserer eigenen Haustüre zu erinnern, sondern mit der Formulierung die Beseitigung der Armut zu verlangen. Die Generalversammlung legte dar:
• den Widerstand der von Armut betroffenen Menschen gegen Elend und Ausgrenzung zu würdigen,
• den Not leidenden und ausgegrenzten Menschen Gehör zu verschaffen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen,
• sich mit den Allerärmsten dafür einzusetzen, dass die Rechte aller wirklich für alle gelten.

Von der Caritas des Nürnberger Landes habe ich zwei Fragen bekommen. Ich habe die Fragen beantwortet und meine eigenen persönlichen Erfahrungen als Armer und die Begegnungen mit gleichen geschrieben. In der 2. Frage habe ich meine Vorstellungen zur gesellschaftlichen Solidarität ausgedrückt. Ich empfehle allen, sich mal selber die Fragen zu beantworten. Der Sinn der Fragen besteht nicht darin, sich die Antworten anzuschauen, sondern sie für sich selber zu beantworten. Es lohnt sich.

Frage: Wie begegnen Sie Armen?
Ich gehöre selber zu den Armen. Ich habe vor meiner Rente von Hartz IV gelebt, also schon damals unter der „Armutsgefährdungsgrenze“. Das ist in furchtbares Wort, weil es die Armut beschönigt. Auch jetzt liegt meine Rente weit unter dieser Grenze. Ich habe Selbstachtung und ich bin gewerkschaftlich und politisch aktiv. Diese Achtung bringe ich auch denen entgegen, die Flaschen sammeln und auch denjenigen, die mir als Obdachlose, die gestrandeten einer ach so reichen Gesellschaft, auf meinen Wegen begegnen, Manchmal erfasst mich ein Gefühl der Überheblichkeit gegen diese Menschen. Meine Situation ändert sich dadurch nicht. Mein Gewissen meldet sich und beschert mir tiefe Scham. Es bringt mich wieder auf die Spur der Achtung für die Menschen.

Frage: Was bedeutet für Sie gesellschaftliche Solidarität?
Gesellschaftliche Solidarität heißt teilen mit den Armen, in unserer eigenen Gesellschaft und mit den Ländern, die zu ihrer Entwicklung aus der Armut unbedingt unsere Unterstützung ohne Bevormundung benötigen. Unser Eintreten für die Armen darf sich nicht erschöpfen im Geben von Almosen für die Bedürftigen. Es ist eine Frage der Einstellung ob WIR alles unternehmen um den Reichtum zu bewahren, oder ihn endlich umzuverteilen. Und ob WIR ernsthaft nach Wegen suchen die Armut zu überwinden, statt sie wie bisher zu verwalten. Es nützt nichts über Armut zu reden, wenn wir nicht gleichzeitig den unermesslichen Reichtum thematisieren. Gesellschaftliche Solidarität fällt leicht, wenn wir den Zusammenhang begreifen: Verstärkte Armut = verstärkter Reichtum. Es macht mich wütend, wenn die ehrliche Beschäftigung mit Reichtum und der Absicht die Umverteilung endlich zu beginnen abgeblockt wird mit der Bemerkung „Keine Neiddebatte!“


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