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Mutterschaft und Politik – Mama in der Politik

Kathrin Flach Gomez
Kathrin Flach Gomez

Neben den traurigen Nachrichten aus Chemnitz, die meine linke Filterblase gehörig durcheinanderwirbelten, durfte ich mich diese Woche, dank meiner ebenfalls ziemlich linken „Muttifilterblase“ über ein weiteres Thema aufregen: den Rauswurf der grünen Abgeordneten des Thüringer Landtags, Madeleine Henfling, aus dem Plenarsaal. Sie hatte ihren sechs Wochen alten Säugling in einer Bauchtrage mitgebracht, um über die Tagesordnung abzustimmen und der Präsident des Landtages Christian Carius (CDU) sah das Baby als Grund, sie des Saales zu verweisen. Somit war es ihr nicht möglich, ihrer Pflicht als Abgeordnete nachzugehen.

Ich werte dies als klares Signal von Seiten des Landtagspräsidenten, dass Mütter gerade mit kleineren Kindern nichts in der Politik oder - allgemeiner formuliert – in der Arbeitswelt zu suchen und sich doch besser zuhause nur dem Wohl von Kind, Haus und Ehegatten zu widmen hätten.

Verwundert hat mich diese Episode aus dem Landtag in Thüringen nicht wirklich, denn auch ich teile ähnliche Erfahrungen. Jedoch muss ich zugeben, dass mich solche Geschehnisse, die offensichtlich auch im 21. Jahrhundert keine große Ausnahme bilden, wütend machen, zeigen sie doch, dass unsere immer noch patriarchal geprägte Gesellschaft uns Frauen und noch weniger uns Müttern eine Stimme zubilligt. Das ist nicht akzeptabel und motiviert mich daher noch mehr, politisch aktiv zu werden und meine Erfahrungen als Mutter und politisch engagierte Frau zu teilen und auf Missstände aufmerksam zu machen.

Gerade im konservativ geprägten Bayern ist Mutterschaft und politisches Engagement nämlich nicht unbedingt etwas, was in den Köpfen vieler Menschen gut zusammenpasst. So durfte ich mir als linke Bezirkstagskandidatin bzw. aktive Kreissprecherin durchaus schon von mehreren Seiten anhören, was denn mein kleiner Sohn treibe, während ich mich politisch engagiere und ob er während einer abendlichen Sitzung nicht furchtbar seine Mutter vermissen würde?
Wer stellt solche Fragen bitte einem Vater, der sich politisch engagiert, arbeiten geht oder auch nur am Fußballtraining teilnimmt?
Erstens gibt es in unserem tollen Kreisverband die Möglichkeit, Kinder mitzunehmen, sollte das andere Elternteil nicht aufpassen können und zweitens kann sich auch mein Mann sehr gut um den Kleinen kümmern. Und noch eine kleine Information am Rande: bei größeren Veranstaltungen der Partei DIE LINKE, besteht immer Anspruch auf Kinderbetreuung bzw. wird diese auch von kompetentem Personal angeboten, soweit Bedarf besteht - eben genau aus dem Grund, dass Eltern und insbesondere Müttern eine Teilnahme an politischem Engagement ermöglicht wird.

Das ist ein Grund von vielen, der mir zeigt, in der Linken meine politische Heimat gefunden zu haben und sollte selbstverständlich sein in allen Parteien, bei allen Arbeitgebern und Institutionen und keine Ausnahme, die im schlimmsten Fall sogar noch Unverständnis und Kopfschütteln hervorruft, da man(n) der Mutter unterstellt, ihren mütterlichen Pflichten nicht nachzukommen, wenn sie das Kind in Betreuung gibt.

Dass jedoch jeglichem guten Willen seitens der Mutter und der beteiligten Institutionen auch manchmal Grenzen gesetzt sind, beweist ein Video, das ich anlässlich des Bezirkstagswahlkampfes mit dem Kreisjugendring im Nürnberger Land aufnehmen durfte.

Anstatt nämlich konzentriert und entspannt die gestellten Fragen zu beantworten, saß ich an diesem Tag schwitzend und gestresst vor der Kamera, versuchte mich an meine Vorbereitung zu erinnern und konnte mich am Ende doch nur an meinen Stichpunktzetteln entlanghangeln, während mein Sohn im Hintergrund fröhlich quietschend die Umgebung unsicher machte und mein Blick immer wieder zu ihm wandelte, um zu gucken, ob er nicht gerade dabei war, Unfug zu treiben. Zugegeben, für diese Umstände ist das Video doch noch halbwegs passabel geworden und die freundlichen und sehr geduldigen Mitarbeiter der Kreisjugendrings unterstützten mich mit meinem süßen Terrorzwerglein ganz hervorragend, jedoch so ganz zufrieden bin ich im Nachhinein nicht und damit sind wir beim eigentlichen Punkt, den strukturellen Hindernissen, die sich uns Müttern im politischen Leben und im Berufsleben und im Studium in den Weg stellen und dafür diene ich persönlich als recht gutes Beispiel:

Ich lebe auf dem Land, habe Lehramt fertig studiert und mache derzeit zusätzlich noch einen Master in geographischer Entwicklungsforschung. Da Oma und Opa, Uromas und Uropas sowie meine Geschwister auch hier leben, stand für meinen Mann und mich relativ schnell fest, dass wir noch in der Schwangerschaft von Nürnberg zurück ins Umland ziehen würden, sodass unser Sohn mit Familienanhang großwerden würde. Relativ unbedarft ging ich von meiner Arbeit als Lehrerin in den Mutterschutz und plante munter meine weitere Karriere und das Schreiben der Masterarbeit.

Schon bald wurde ich jedoch auf den nüchternen Boden der Tatsachen zurückgeholt. Während mein Mann nämlich für seinen doch recht weiten Arbeitsweg ein Auto benötigte, das er in Nürnberg aufgrund der guten öffentlichen Anbindung nicht gebraucht hatte, dachte ich mir, dass ich nur für die Masterarbeit ein solches nicht benötigen würde und auch ein Krippenplatz gut zu finden sei. So weit, so naiv.
In unserer ländlichen Gemeinde gibt es zwei Kinderkrippen, die mit dem einmal pro Stunde fahrenden Bus von mir zuhause aus kaum erreichbar sind, zumal die Hin- und Rückfahrt schlecht getaktet ist, sodass lange Wartezeiten auf den Bus Standard wären. Eine Fahrt in die Uni, die ÖPNV-technisch in der anderen Richtung liegt, wäre somit ganz und gar utopisch, wenn man auf ein effektives Zeitmanagement angewiesen ist. Sich jedoch nur für das Anfertigen einer Masterarbeit ein Auto zuzulegen, kam für mich aus ökologischen und finanziellen Gründen nicht in Frage, sodass ein Krippenplatz für meinen Sohn leider keine praktikable Option ist, denn in meinem Wohnort, der übrigens der größte Ort in der Gemeinde ist, gibt es keine Krippe.

Wieviel leichter wäre es also für Mütter, wie mich, die studieren, arbeiten oder sich ehrenamtlich betätigen möchten oder müssen, wenn es in Bayern auch im ländlichen Raum ein flächendeckendes Angebot an Plätzen zur Kinderbetreuung vom Kleinkindalter bis in die Schulzeit und gleichzeitig einen gut getakteten und ausgebauten öffentlichen Nahverkehr gäbe, der die Unabhängigkeit vom Auto fördert? Und wieviel entspannter wäre das Interview mit dem Kreisjugendring wahrscheinlich abgelaufen, wäre mein Sohn fröhlich spielend in einer nahegelegenen Krippe untergebracht gewesen, anstatt ohne Betreuungsmöglichkeit mit auf meinen Termin zu müssen?

Es wird deutlich: Nur durch ein flächendeckendes Angebot an Kinderbetreuungsmöglichkeiten und einem gut funktionierenden Nahverkehr sowie auch durch die Drehung einiger Stellschrauben in den Köpfen der Menschen ist eine gleichberechtigte Teilhabe auch für Mütter möglich. Aus finanziellen, beruflichen oder persönlichen Gründen ist es nämlich auch für Mütter ein Anliegen, gleichberechtigt zu studieren, zu arbeiten oder sich ehrenamtlich einzubringen und das spiegelt sich in Bayern weder in den Köpfen noch in den praktischen Strukturen. Für alle Frauen und Mädchen sowie für meinen Sohn und für mich möchte ich, dass die Strukturen für eine gleichberechtigte, tolerante, ermächtigende und weltoffene Gesellschaft geschaffen werden und dafür setze ich mich ein und sage: „Das muss drin sein!“


Wer mehr wissen möchte, was wir als Partei DIE LINKE in der kommenden Landtagswahl zu den Themen öffentlicher Nahverkehr und Bildung bzw. Kinderbetreuung zu sagen haben, kann sich hier im Landtagswahlprogramm überzeugen, dass wir mit unseren Forderungen nach kostenlosem und flächendeckendem ÖPNV und kostenloser und flächendeckender Kinderbetreuung genau richtig liegen, um meine Anliegen und damit die Anliegen der Mütter im Freistaat voranzubringen.

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