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9. Alle Chancen für Kinder und Jugendliche

In der Kindheit werden die Weichen fürs Erwachsenenleben gestellt. Viel zu oft hängen hierzulande diese Weichen vom Geldbeutel der Eltern ab. Dies hat zur Folge, dass für betroffene Kinder und Jugendliche in allen Lebensbereichen Nachteile entstehen und eine gleichberechtigte Teilhabe nahezu unmöglich ist. Sowohl die Bildung als auch die Gesundheit und die Teilhabe am kulturellen Leben leidet unter der Armutssituation.

DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass alle Kinder und Jugendlichen, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, von Herkunft, Religion oder Behinderung gleichberechtigt teilhaben können und keine Benachteiligung erfahren.

Gute Betreuung von Anfang an

Die frühkindliche Prägung und Bildung ist der Schlüssel für ein glückliches Leben und eine aktive Teilhabe an der Gesellschaft im Erwachsenenalter. Von klein auf müssen daher Krippen, Kitas, Grundschulen und Horte darauf ausgelegt sein, allen Kindern einen guten Start zu ermöglichen. Dazu ist es notwendig, allen Eltern den Zugang zu den Einrichtungen zu ermöglichen. Eine wohnortnahe Versorgung ist jedoch sowohl bei den Krippen, Kitas und Horten nicht flächendeckend gegeben. Aus diesem Grund ist bei der Planung der Bau von Kindertageseinrichtungen zu berücksichtigen, und bereits bestehende Strukturen deutlich auszubauen. Grundsätzlich fordern wir, dass die Kosten für die Kinderbetreuung nicht von den Eltern zu tragen sind, um allen Kindern, unabhängig vom Geldbeutel der Eltern, die Möglichkeit zu bieten. Um alle Kinder nach Bedarf zu fördern, ist es zudem notwendig, qualifiziertes Personal für Inklusionsaufgaben und für die sprachliche Förderung einzustellen, sodass die Teams in den Einrichtungen flächendeckend multiprofessionell agieren können. Dies bietet die Chance, dass Kinder unterschiedlicher Muttersprachen und auch Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam (er)leben und lernen dürfen und so durch die Wertschätzung der Vielfalt Inklusion gelebt werden kann.

DIE LINKE fordert:

  • Flächendeckend wohnortnahe Betreuungsplätze für Kinder, von der Krippe bis zum Hort
  • Berücksichtigung der Schaffung von Kindertageseinrichtungen bei der Stadtplanung
  • Drastischer Ausbau der Plätze der Kindertageseinrichtungen
  • Kostenfreie Kinderbetreuung von der Krippe bis zum Hort
  • Einstellung multiprofessioneller Teams zur Verstärkung von sprachlicher Förderung und Inklusion
  • Ausstattung der Einrichtungen mit genügend Personal, um die Förderung der Kinder in den Mittelpunkt stellen zu können
  • Bildungs- und Kooperationsangebote für Eltern, um dem gemeinsamen Erziehungsauftrag gerecht zu werden
  • Inklusion in allen Einrichtungen als Schlüssel zu einer weltoffenen und toleranten Gesellschaft
  • Eintrittsmöglichkeiten in die Einrichtungen auch während des laufenden Jahres
  • Kostenlose sowie qualitativ hochwertige Mahlzeiten möglichst biologisch, regional und saisonal

Schulbildung

Die kommunalen Bildungseinrichtungen haben in eine große Bedeutung. Sie reichen von den Kitas über die städtischen Realschulen und Gymnasien bis zu den beruflichen Schulen, Berufsfachschulen und Fachakademien. Die Kommunen sind für alle Einrichtungen die Sachaufwandsträger. Bei den kommunalen Einrichtungen ist sie auch für das Personal zuständig.

Das staatliche Schulsystem in Bayern erfüllt den Auftrag, für Chancengleichheit bei Kindern und Jugendlichen zu sorgen, in vielen Bereichen nicht. In der Vergangenheit hat hier beispielsweise die Stadt Nürnberg in vorbildlicher Weise gewisse Defizite ausgeglichen. Schon zu Beginn des letzten Jahrhunderts, als höhere Schulabschlüsse den Jungen vorbehalten waren, gründete sie die erste Mädchenoberrealschule, das heutige Sigena-Gymnasium. Als erkannt wurde, dass das dreigliederige Schulsystem Kinder aus höheren Schichten bevorzugt, wurde in Nürnberg von der Kommune eine integrierte Gesamtschule aufgebaut. Solche Initiativen bleiben jedoch im Nürnberger Land aus. Die Aufteilung der Kinder in Mittelschüler*innen, Realschüler*innen und Gymnasiast*innen in der 4. Grundschulklasse verhindert nach wie vor stressfreies Lernen. Zudem haben wir in der Grundschule heute einen hohen Anteil von Kindern mit internationaler Herkunft, die auf Grund selektiver Strukturen weniger Chancen auf einen höheren Schulabschluss haben.

Wir als LINKE fordern daher eine Abkehr vom dreigliederigen Schulsystem und eine inklusive Schule für alle.

DIE LINKE fordert:

  • Freie Wahl der weiterführenden Schule und Förderung bei fehlender Sprachkompetenz
  • Mehr Stellen für Sozialpädagog*innen an allen Schulen
  • Die pädagogische Betreuung von gesellschaftlich benachteiligten Kindern und Jugendlichen als Schwerpunkt kommunaler Schulpolitik
  • Verstärkung der Bemühungen, Kinder mit Förderbedarf in Regelklassen zu integrieren (Laut UN-Behindertenrechtskonvention haben alle Kinder das Recht, die nächstgelegene Sprengelschule zu besuchen. Hier fehlt es an Räumen und Fachpersonal.)
  • Eine gute Bildung sorgt für gerechtes Denken und verantwortungsvolles Handeln im Erwachsenenalter

Attraktive Kommunen für junge Menschen

Der Bus fährt nur einmal in der Stunde und am Wochenende gar nicht. Die Mieten steigen so an das man sie sich mit der winzigen Ausbildungsvergütung nicht leisten kann. Jugendkultur gibt es im 100-Seelen-Dorf nicht. All diese Umstände sorgen für die moderne Landflucht der jungen Leute. Nein das ist nicht nur ein Problem der ostdeutschen Länder, auch hier ist die Abwanderung von jungen Leuten in größere Städte bittere Realität geworden. Es wird Zeit für eine neue Strukturpolitik, welche die systematische Vertreibung von jungen Menschen aus unserem Landkreis beendet.

DIE LINKE fordert:

  • Teilhabemöglichkeit an Freizeit-, Kultur- und Sportangeboten für alle Kinder und Jugendlichen
  • Förderung politischen Engagements durch Schaffung von Jugendfonds zur Verwirklichung eigener Projekte und Miteinbeziehung in kommunale Entscheidungen
  • Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre
  • Schaffung und Erhalt selbstverwalteter Jugendtreffs
  • Ernennung eine*r Jugendbeauftragte*n als Ansprechpartner*in der Kreisverwaltung
  • Stärkung des Kreisjugendrings mit finanziellen Mitteln

Jugend? Mitbestimmt! Kommunale Jugendvertretung einführen

Als LINKE fordern wir die Einführung einer gewählten mindestens 15-köpfigen Jugendvertretung auf Landkreisebene. Hierbei sollen alle jungen Menschen von 6 bis 27 Jahren wahlberechtigt bzw. wählbar sein. Erfahrungen in anderen Kommunen hat gezeigt, um eine gute Wahlbeteiligung zu erzielen, die Wahlen an den Schulen stattfinden muss.

Die Jugendvertretung muss durch den Landkreis mit Mitteln ausgestattet werden, über die sie selbst verfügen kann. Die Aufstellung und Unterhaltung soll durch den Kreisjugendring erfolgen, er muss dafür mit den nötigen zweckgebundenen Mitteln, Personal und Rechten ausgestattet werden.

Die Jugendvertretung muss mit Mitbestimmungsrechten ausgestattet werden. Hier zugehört ein Anhörungsrecht gegenüber dem Kreistag bei Entscheidungen die junge Menschen besonders betreffen und dem Jugendhilfeausschuss. Des Weiteren muss der Landkreis über den Kreisjugendring die Aufstellung von Jugendvertretungen in den einzelnen Städten und Kommunen im Landkreis fördern und fordern.

Eine partizipierte Gesellschaft ist nur möglich, wenn man vom jungen Alter an die Teilhabe fördert.

DIE LINKE fordert:

  • Die Einführung einer Jugendvertretung auf Landkreis- und gemeindlicher bzw. städtischer Ebene.
  • Eine Wahl dieser über die Schulen.
  • Eine ausreichende finanzielle Ausstattung der Jugendvertretung.
  • Mitsprache und Mietbestimmungsrechte für diese in jugendrelevanten Entscheidungen
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